Gründung

Palette e.V. wurde 1989 in Hamburg gegründet und bietet seit dieser Zeit Konsumenten psychotroper Substanzen - insbesondere Heroinkonsumenten bzw. Substituierten - ambulante psychosoziale Betreuung an. Palette e.V. steht seit seiner Gründung für einen akzeptierenden Drogenhilfeansatz. Drogen konsumierende Frauen und Männer mit und ohne Kinder erfahren unseren Respekt und unsere Akzeptanz für ihren Lebensverlauf.  

Palette e.V. betreut Menschen, die als Folge des Betäubungsmittelgesetzes mit individuell unterschiedlichem Suchtmittelgebrauch tagtäglich den Risiken der illegalen Drogenbeschaffung auf dem Schwarzmarkt ausgesetzt sind oder waren, die gesundheitliche und psychische Probleme durch gestreckte und verunreinigte Stoffe davon getragen, Kriminalitäts-, Gewalt- und Hafterfahrung, Prostitutionserlebnisse, soziale Ausgrenzung und Verschuldung erleben oder erlebt haben.
Palette e.V. unterstützt ihre Bemühungen, ihre Lebenssituation mit oder ohne Drogen, mit oder ohne Substitut stabil zu gestalten und ein gemeinsames Leben mit ihren Kindern zu leben.

Neue Wege

Als Palette e.V. sein Angebot einer auf Freiwilligkeit basierenden, frei vereinbarten  ambulanten psychosozialen Therapie / -betreuung mit substituierten Heroinabhängigen 1989 begann, stand die Fachwelt und die Öffentlichkeit dieser Idee skeptisch bis ablehnend gegenüber. Dagegen fand der Palette e.V. Ansatz, „ob mit oder ohne Droge, Hauptsache ihr kriegt eure Lebensorganisation gut hin“ bei den Klientinnen und Klienten Anklang und erleichterte den Zugang zu ihnen.

Spezialisierung

Die Spezialisierung des Palette e.V. auf die therapeutische Betreuung von Substituierten machte damals Sinn und war notwendig, um möglichst schnell einen Beweis für die Überholtheit des menschlich einengenden „clean“-Dogmas der Jahrzehnte zuvor zu erbringen und dieses neue Angebot zu etablieren. Das ist nachhaltig gelungen. Akzeptierende Drogenarbeit, Substitution und psychosoziale Betreuung sind zu einer tragenden Säule der Hamburger Drogenpolitik geworden. Palette e.V. hat daran einen nicht unwesentlichen Anteil. Gelohnt wurde dies weder von Rot-Grün (1997-2001) noch von der CDU/Schill/FDP-Koalition (2001-2003). Palette e.V. musste wegen seiner kritischen, unorthodoxen und innovativen Drogenpolitik ordentlich Federn lassen.  
Die Erfahrungen aus über 20 Jahren Arbeit mit Konsumenten illegaler (z.B. Heroin, Koks, Crack, Cannabis, Amphetamine etc.) und legaler Drogen wie Alkohol, Medikamente etc., lassen trotz erheblicher Unterschiede der Wirkung der jeweiligen Substanzen im Suchtverhalten der Konsumenten eine „Seelenverwandtschaft“ im Suchterleben bzw. in der Suchtstruktur der Menschen erahnen. Die suchtmittelübergreifende Ausrichtung des Palette e.V. ist vor diesem Hintergrund eine logische Weiterentwicklung.

Kinder von KonsumentInnen

In der therapeutischen Betreuung Substituierter wurde frühzeitig deutlich, dass den Problemen der Kinder illegale Drogen konsumierender oder substituierter Eltern oftmals zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde und wird. Sie sind in ihrer Sozialisation besonderen Schwierigkeiten ausgesetzt, die ihre Ursache in den speziellen Lebensbedingungen ihrer Eltern finden. Die mit dem Konsum illegaler Drogen verbundenen Probleme - wie Beschaffungskriminalität, unregelmäßige Lebensführung, der vor den Kindern scheinbar zu verheimlichende Konsum etc. prägen die Sozialisation der Kinder nicht unerheblich.
Die Eltern reagieren auf diese Situation häufig mit Scham, Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen und leben mit der Angst der gesellschaftlichen Ausgrenzung bis hin zum Kindesentzug. All dies bleibt nicht ohne Wirkung auf die Erziehung. Diese Kinder und Eltern brauchen Hilfe und Unterstützung, um möglichst ein gemeinsames Leben führen zu können.
Drogen konsumierende Eltern und Substituierte haben selbstverständlich, wie alle anderen Menschen auch, das Recht, Kinder zu bekommen und Eltern zu sein. Ihren Kindern wiederum steht das Recht zu, möglichst mit ihren leiblichen Eltern gemeinsam in einer Familie zu leben und aufzuwachsen, wie es auch im SGB 8 (früher KJHG) vorgesehen ist.

Projekt IGLU und Familienhilfe

In diesem Sinne engagiert sich Palette e.V. mit dem Projekt IGLU seit 1992 als „Anwalt der Kinder“ von Drogenkonsumenten, Substituierten und clean leben ehemaligen Konsumenten und Konsumentinnen und insbesondere Schwangeren. Anfänglich in sehr intensiver Weise mit der Folge, relativ wenige Menschen betreuen zu können. Mit der Umstellung des Arbeitsansatzes hin zu einer zeitlich befristeten Betreuung in Verbindung mit Überleitungen in andere Hilfsangebote konnte IGLU dann erheblich mehr Betroffenen weiterhelfen. Dieses Projekt hat bundesweit viele Nachahmer gefunden - sehr zur Freude des Palette e.V.   
Mit der Umstellung des Angebots von IGLU ging der Aufbau eines Projektes Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) 1995 einher, um betroffene Familien intensiver begleiten zu können. Nach einer mehrjährigen Unterbrechung bietet Palette e.V. das Projekt IGLU-Familienhilfe seit 2007 wieder an (Hilfe zur Erziehung nach SGB VIII, § 27ff, verfügt vom Allgemeinen Sozialen Dienst). IGLU-Familienhilfe steht allen Familien offen, nicht nur Konsumenten psychotroper Substanzen.  

Ebenfalls seit Anfang der neunziger Jahre betreibt Palette e.V. eine Planstelle Straßensozialarbeit. Richtete sich dieses Angebot zunächst an Drogenkonsumenten und Konsumentinnen der offenen Szene, änderte sich der Schwerpunkt im Laufe der Jahre zu einer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die in der Regel das Elternhaus verlassen haben und bei Freunden, Bekannten, in betreuten Einrichtungen oder auf der Straße im Bereich der Hamburger Stadtteile Eimsbüttel, Schanzenviertel und Altona leben. 

Palette e.V. Projekte

(aktueller Bestand in Rot)

Gründungsjahr
1989-  Palette 1
1991 - Straßensozialarbeit
1992 - IGLU
1992 - 2004 Palette 2 - Keine weitere Finanzierung durch die Stadt
1992 - 2007 Lehrerin - Keine weitere Finanzierung durch die Stadt
1995 - 2004 Familienhilfe, Neubeginn 2007
1995 - 2003 Palette 3 - Keine weitere Finanzierung durch die Stadt
1997 - 2003 Akupunkturambulanz – Keine Finanzierung durch die Stadt
1999 - 2000 Palette 4 - SPD-Mitte verhindert den Weiterbetrieb
2000   Wohnprojekt für Mutter/Kind/Schwangere für Drogenabhängige; Finanzierung von der Stadt abgelehnt

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